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Liebe "Nager"!
Es ist kaum ein Jahr her, da hatte ich den Einfall, eine Seite wie diese aufzubauen. Der Grund liegt nahe - ich knabbere selbst. Und was mich mit vielen meiner Leidensgenossen verbindet: ich wollte und will damit aufhören. So hatte ich neben recherchieren, schreiben und interviewen auch Zeit, mich intensiv mit meinem Knabbern auseinandersetzen.
Ich selbst gehöre wohl eher zu den Problemknabberern. Erst nachdem ich erkannt habe, dass es so ist, habe ich mich zum ersten Mal intensiv damit beschäftigt. Ich forschte nach den Ursachen und begann gleichzeitig Methoden zum Stressabbau zu erkunden.
Das Resultat überraschte mich selbst. Ich hörte auf zu kauen. Vier Monate lang hielt ich es ohne Kauen aus. Während ich diese Zeilen schreibe, erinnere ich mich an meinen „Rückfall“. Es ist kaum zwei Tage her, da habe ich über ein Buch versunken alles abgeknabbert. Vier Monate hatte ich durchgehalten, sogar mehrmals die Nägel zurückschneiden müssen. Und dann das.
„Ich habe so an Dich geglaubt“, sagte Eva, meine Leidensgenossin und Verbündetet im Projekt „Finger aus dem Mund“. „Das darfst Du auch weiter tun“, sagte ich ihr. Meine Nägel wachsen wieder und ich werde durchhalten. Denn ich weiß: vier Monate habe ich geschafft, das nächste Mal werden es, wenn überhaupt, schon acht Monate und dann werde ich überhaupt nicht mehr knabbern.
Bunter Nagellack und Stoffhütchen
Aber der Weg dahin war schwer. Wie es bei Menschen, die Nägelkauen, üblich ist war es mir immer peinlich, meine Hände zu zeigen. Nicht nur vor den Kollegen, Freunden und Bekannten, sondern auch vor meinen Eltern und meinem Freund.
Es gab keine Methode, die ich nicht probiert habe, um mit dem Knabbern aufzuhören. Ich verzichte darauf, sie aufzuzählen, den Betroffenen wird jede einzelne nur allzu gut bekannt sein. Aber der Wunsch nach einem Knabber-Stop hat mich kreative Pfade einschlagen lassen.
In letzter Not, vor einem nahenden Vorstellungsgespräch, nähte ich mir einmal sogar kleine Fingerhütchen aus Stoff. Eigentlich wollte ich auf jeder Hand jeweils fünf Stück aufsetzen, aber schon bei der ersten Anprobe wurde mir die Albernheit meiner Konstruktion bewusst. Ich wusste, sobald ich sie von meinen Fingern abnehme, würde ich weiterknabbern.
Die Einsicht
Manchmal habe ich es geradezu bereut, einen solchen Zwang mir ausgesucht zu haben. Ich dachte mir, vielleicht hätte ich besser Raucher werden soll oder eine Sucht nach Essen entwickeln sollen. Das wäre sehr viel anerkannter gewesen. Ich hätte mit vielen anderen rauchen, mit vielen anderen einen Burger in mich hineinschaufeln können. Es wird ebenso kritisiert, aber ich habe noch nie miterlebt, dass dieses Verhalten offen als „ekelhaft“ angesprochen wird.
Das ist das Problem des Fingernägelkauens. Es sieht nicht schön aus, fällt auf und stößt manche Menschen sehr ab. Wer knabbert, der ist allein mit diesem Problem. Es hilft keine Argumentation, kein Verstecken – dein Gegenüber sieht, dass du ein Problem hast. Natürlich fühlen sich manche Menschen dadurch überlegen. Auch dann wenn sie selbst süchtig sind, wer weiß, vielleicht alkoholabhängig, spiel- oder kaufsüchtig. Doch solange man ihnen es nicht ansieht, dann ist es einfach, das Gegenüber mit den hässlichen Fingernägeln zu verurteilen. Diese Einsicht hat mir auch geholfen, meine Eigenart mit weniger Druck zu erleben. Erst als mich das nicht mehr störte, konnte ich mich auf die Entwöhnung konzentrieren.
Ich hoffe, du wirst mit Hilfe dieser Website auch den langen Weg einschlagen, um das Nägelkauen zu bekämpfen. Im Forum kannst Du Dich über Deinen Weg zur Entwöhnung austauschen und somit einen Teil zu dieser Online-Hilfe beitragen.
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