Was können Angehörige tun? E-Mail

Besonders Eltern sind immer wieder betroffen, wenn sie mitansehen müssen, wie ihre Kinder an den Nägeln kauen. Aber wann muss ich als Angehöriger eingreifen und kann ich das überhaupt? Angehörige sind verunsichert und auch Betroffene wissen nicht, wie sie damit umgehen sollen. Fest steht - wer diese folgenden Symptome aufweist, benötigt dringend Hilfe:



  • Nagelbett ist so kurz wie möglich zurückgebissen
  • Manchmal wird die Nagelhaut oder der Nagel so verletzt, dass kleine Wunden entstehen
  • Es blutet an den Fingern oder das Nagelbett entzündet sich
  • Auch wenn schon kaum etwas am Nagel zu sehen ist, beißt der Betroffene immer weiter
  • Manchmal sind die Finger so zerbissen, dass Betroffene vor Schmerzen kaum etwas anfassen oder halten können
  • Betroffene kauen immer, auch wenn er/sie sich nicht in Stresssituation befindet



Wichtig ist, dass Angehörige zunächst Verständnis dafür zeigen und die Betroffenen nicht unter Druck setzen. Dies sorgt im Ernstfall nur dafür, dass noch stärker gekaut wird. Daher ist es umso wichtiger, dass der Kauende viel Aufmunterung und Unterstützung erhält.

 

Selbstwertgefühl stärken

 

Mit der Unterstützung wird das Selbstvertrauen wieder gestärkt und hilft somit, starke Gefühle wie Überforderung, Frust oder Trauer auszuhalten. Bei keinen offensichtlichen Gründen für das Kauen ist eine psychotherapeutische Behandlung notwendig. Diese kann helfen, die Ursachen für das Kauen, beispielsweise Traumata in der Kindheit, auszumachen.

Durch eine Therapie können Stresssituationen, in denen gekaut wird, viel eher erkannt werden. Somit bietet sich eher ein Anhaltspunkt zur Stressbewältigung und ist erfolgversprechender. Vorurteile helfen nicht, sondern verschlimmern das Leid der Betroffenen nur. Sätze wie: „Was sollen denn die anderen/der Chef/die Lehrer von dir denken?“ sind nicht nur unnütz, sondern verschlechtern das Selbstwertgefühl immens.

 

Viel Verständnis und Geduld

 

Menschen, die an den Fingernägel kauen, sind eben angreifbarer als andere mit Süchten und Zwängen. Ihr Problem ist für jeden erkennbar und somit sind sie dem Spott oder der Verachtung anderer ausgesetzt. Es sollte jedem bewusst sein, dass alle Menschen ihre Süchte besitzen (viel fernsehen, übermäßig arbeiten, rauchen, trinken, ständige Wutausbrüche), nur dass diese Süchte nicht sofort als psychische Labilität ausgelegt wird.

Wichtig: Ist es nur eine Angewohnheit, helfen übelschmeckende Cremes und Lacke. Auch Entspannungmethoden unterstützen den Stressabbau. Sollte aber ein psychisches Problem dahinter stecken, ist damit vorerst nicht viel auszurichten. Hier müssen Angehörige viel Verständnis und Geduld aufbringen. Die Betroffenen sollen in jedem Fall spüren, dass sie trotz der zerkauten Finger immer noch angenommen und nicht dafür verachtet oder verspottet werden. Ihre Angst ist groß, dass sie besonders in der Familie oder im Freundeskreis als „Psychos“ behandelt werden.