Probleme mit dem Aufhören E-Mail

Es gibt viele verschiedene Methoden, wie Betroffenen empfohlen wird, sich das Nägelkauen abzugewöhnen. Und hier sind die Gründe, warum sie häufig nicht funktionieren können:


Das berühmteste Beispiels ist der bitterschmeckende Lack. Vielgepriesen und viel gescholten. Zwar schmeckt der Lack wirklich bitter, sorgt aber nur bei einer schlechten Angewohnheit für Entwöhnung. Bei „Härtefällen“ versagt er jedoch. Der bittere Geschmack wird locker in Kauf genommen, um weiter an den Nägel zu kauen. Außerdem berichtet so mancher Betroffene, sich schon daran gewöhnt zu haben.

Auch ständiges Nagelfeilen wird gern empfohlen. Immer die Nagelfeile dabei, ständig feilen. Trotzdem beschäftigen sich Knabberer intensiv mit ihren Nägeln und lenken ihre Konzentration auf das Aussehen der Nägel. Das Problem: was die Nagelfeile nicht schnell genug schafft, können die Zähne sehr schnell unbewusst wieder übernehmen. Die Verlockung ist und bleibt mit ständiger Befeilung zu groß.

 

Hilfe bei "Härtefällen"

 

Künstliche Nägel, die scheinbar einfachste Lösung, ist für den Anfang der Entwöhnung nicht ratsam. Sie kaschieren zwar den unschönen Anblick, sorgen aber auch dafür, dass der Nagel sich nicht erholen kann. Die Folge: der Nagel bildet sich zurück und sieht irgendwann nur noch sehr kümmerlich und rauh aus. Verständlich, dass dies weiter zum Kauen verleitet. Außerdem berichten immer wieder Betroffene, dass sie selbst die künstlichen Nägel abkauen oder abreißen.

Ein ebenso weit verbreiteter Tipp ist das Essen. „Nimm doch einfach ein Kaugummi!“ heißt es dann. Oder Chips, Schokolade, usw. Das Problem ist aber: die Sucht verlagert sich und wird nicht behoben. Aus der Zwischendurch-Mahlzeit kann sich schließlich eine Esssucht entwickeln, die wiederum zur Unzufriedenheit führt. Im Ernstfall ist der Betroffene dann nicht nur übergewichtig, sondern fängt auch wieder an zu knabbern.

Verzweifelte Eltern greifen bei nägelkauenden Kindern gern auf grobe Methoden zurück. Dem Kind wird gedroht, es wird bestraft, die Hände werden eingeschmiert und im schlimmsten Fall auf die Finger gehauen. Durch langjährige Beobachtung von Betroffenen ist es allerdings allzu deutlich geworden, dass mit Druck nicht weniger, sondern eher mehr geknabbert wird.

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Der Erfolg der Entwöhnung hängt auch von der "Knabber-Karriere" ab:

1.    Stressknabberer: Hier kann es sein, dass es im jungen Alter vorkommt, aber auch als Erwachsener. Typisch für diese Gruppe ist, dass sie nur für einen bestimmten Zeitraum knabbern, sei es ein halbes Jahr oder fünf Jahre. Sie können leicht, mit ein wenig Nachhilfe (bitterschmeckender Lack, Handschuhe,..), sich das Nägelkauen abgewöhnen. Bei ihnen ist das Knabbern eher eine schlechte Angewohnheit und kann schon mit einfachen Mitteln behoben werden.

2.    Problemknabberer: Für diese andere Gruppe stellt das Nägelkauen ein ernstes Problem dar. Viele von ihnen kauen schon seit dem Kindesalter und behalten dieses Verhalten teilweise bis zum Lebensende bei. Die häufigste Ursache dafür sind traumatische Erlebnisse, beispielsweise die Scheidung der Eltern. Die Abgewöhnung des Kauens ist für die Betroffenen sehr schwierig und erscheint ihnen auch unmöglich. Sie weisen bei der Entwöhnung ein ähnliches Suchtverhalten auf wie auch ein Alkoholabhängiger. Dieses Phänomen tritt vor allem dann auf, wenn weitere Familienmitglieder ebenfalls an den Nägeln kauen.

Immer wieder berichten Betroffene, dass sie bereits alles versucht haben um aufzuhören. Und dass sie trotzdem seit Jahrzehnten knabbern. Es gibt auch einen weiteren Hinweis. Betroffene berichten, dass sie durch eine intensive Arbeit kurzzeitig komplett aufgehört haben zu knabbern.

Sei es eine Geschäftsreise, ein Ferienlager oder auch die Fließbandarbeit. Offensichtlich ist es nicht möglich, das Knabbern aufrecht zu erhalten, sobald der Nagelkauer intensiv beschäftigt wird mit etwas, das ihn nicht stresst, aber gleichzeitig fordert. Vielleicht liegt darin die Lösung für das Problem des Nägelkauens.

Fest steht: bisher gibt es kein Allheilmittel gegen das Kauen. Aber es lohnt sich so viel wie möglich auszuprobieren.